29.05.2014
Es ist für mich so etwas wie ein Ritual geworden in den letzten 2 Wochen, morgens mit meinem Tee nach draußen zu gehen und mir wie ein Mantra immer und immer wieder (bis der Tee ausgetrunken ist) zu sagen …“HEUTE WIRD EIN GUTER TAG! HEUTE WIRD MEIN TAG &ICH WERDE DEN GANZEN TAG GUT GELAUNT SEIN UND HEUTE ABEND SO ERSCHÖPFT SEIN DAS ICH DIREKT INS BETT FALLE“.
Ich denke es ist gut sich jeden Tag aufs Neue vorzunehmen dass es ein guter Tag wird.
Während ich diese Zeilen schreibe muss ich zugeben dass mein Gesäß ziemlich schmerzt, wir hatten gestern wieder Fußball Training mit den Kids die nach Brasilien zum Worldcup fliegen werden.
Ich muss also nicht erwähnen wie hart das Training ist, erschwerend hinzu kommt aber noch die Hitze (gestern ca. 30 Grad) eine extreme Luftfeuchtigkeit (so sehr dass die Klamotten ganz klamm werden) und die deutlich dünnere Luft, Edendale liegt verhältnismäßig weit oben und es ist besonders dann spürbar wenn man über einen völlig erhitzen Platz sprintet und sich selbst nicht eingestehen kann, dass man verglichen mit den Brasilien Kids in jeder Hinsicht ziemlich unfit ist.
Ich habe also alles gegeben, bis mir 10 Minuten vor Schluss eines der Kids mit seinen Stollen so sehr auf den Fuß getreten ist das ich aussetzen musste.
Es war gar nicht der Schmerz der mich gestört hat, vielmehr war das Loch dass auf meinen Nike Schuhen prankt! Die ersten kuhlen Nike schuhe die ich mir für Mrs. Sporty besorgt hab, vermutlich die teuersten Schuhe die ich je besessen habe…nun mit Loch. Scheiße.
Egal, mit sowas muss man eben rechnen. Mittlerweile geht’s meinem Fuß auch wieder gut, bisschen blau und n bisschen dick…keine Narbe (schade…ich hätte später erzählen können…“Ja, das war damals, damals als ich allein nach Südafrika geflogen bin und mit dem heutigen großen Südafrikanischen Fußballstar _______ trainiert habe, Mensch, das war eine Zeit…“).
Ansonsten sieht der Plan vor das Henrike, Gugu, Caroline, Sindy, Markus (ein deutscher der vor 2 Jahren auch mal bei WKU gearbeitet hat) und evtl. Andrew (der bei meinem Geburtstag mit seinen 2 ziemlich betrunkenen Freunden gewesen ist) eine kleine Reise in Richtung Swasiland statt findet.
Dort ist ein Festival „Bushfire Festival“ auf dass sie alle gehen werden, momentan steht noch nicht fest ob ich mitkommen kann…Wäre schön es bald mal zu erfahren es ist ja schon 17:20Uhr.
Wenn ich nämlich keinen Platz im Auto bekomme heißt es dass ich hier ziemlich alleine bin (klar Stefan &NJ sind da, aber ich will mein Wochenende nicht unbedingt mit Stefan und NJ verbringen).
Es ist für mich wirklich eine Horrorvorstellung, hier in Durban zu sitzen und nichts machen zu können, ich hab noch immer kein Internet…deswegen hoffe ich umso mehr dass ich mit kann.
We’ll make a plan…no need for rush ist Südafrikas Devise.
Ich war heute nicht allzu lange in Edendale, ich habe weiterhin laminiert, einige E –Mails geschrieben und bin dann um eins mit Clyde schon wieder nach Hause gefahren.
Das war ganz schön eigentlich, ich mag Clyde man kann ganz gut mit ihm reden. Ich schätze ihn so auf anfang, mitte 30, er ist quasi der dritte Chef (die Hierarchie hier ist Marcus, der Gründer des Ganzen WKU Projekts, der aber den Großteil seiner Arbeit aus Kapstadt macht, dann Stefan, der mal genauso angefangen hat wie ich, als Volunteer vor ca. 6-7 Jahren und dann Clyde der irgendwie für alles zuständig ist und ohne den hier mit Sicherheit nichts laufen würde). Ich bin also mit Clyde nach Hause gefahren um endlich meine Euros in Rand umzutauschen (ziemlich dringlich mitlerweile weil meine Karte noch immer nicht funktioniert) und er weil er noch einige Besorgungen für das Große Opening tätigen musste.
Es war das erste Mal das mir die 60 Minuten Fahrt nicht vorkamen wie 4 Stunden sondern eher wie 30 Minuten. Wir haben uns wirklich gut unterhalten über alles, was ich so machen möchte hier, was meine Ziele sind und was es für Möglichkeiten gibt. Das tat gut. Ich werde wahrscheinlich nächste Woche 2-3 Tage das „On the ball –training“ begleiten, was Fußball Training an ganz vielen Schulen in Edendale beinhaltet. Ich bin sehr gespannt und freue mich darauf mal was anderes zu sehen als meinen Laptop Display. Zuhause angekommen bin ich direkt los, ich sollte die Musgrave Mall finden.
Um ehrlich zu sein habe ich mich trotz Weg Beschreibung ziemlich verirrt und hatte keine Peilung wo ich bin, es war mehr als seltsam ganz allein durch Durban zu geistern, insbesondere wenn man ständig angehupt wird, nicht weiß wie man reagieren soll wenn ständig farbige auf einen zu kommen um nur mal eben mit einem zu reden, sicher bin ich nicht die einzige Weiße hier, aber trotzdem so auffällig dass man mir einige Aufmerksamkeit schenkt auf die ich gern verzichten würde.
Auf meinem Weg wurde ich aber auch von einem älteren Ehepaar aus Kapstadt gefragt wo man denn gut einen Kaffee trinken könnte, ich konnte zwar nur sagen dass die Straße runter einige zu finden sind, aber keines besonders wäre, aber stolz war ich dennoch, anscheinend nicht wie ein Tourie auszusehen sondern so afrikanisch dass man mich nach dem Weg fragen kann.
Als ich dann endlich (ganz ohne nach dem Weg zu fragen, das ist mir unangenehm farbige die sowieso schon mehr als interessiert sind anzusprechen…) nach 1 ½ Stunden die Mall gefunden habe, bin ich direkt zur nächst besten Bank gegangen.
&es ist wahr, das ist mir heute ganz besonders aufgefallen dass man hier mit jedem spricht über ganz persönliche Dinge oder einfach so einen kleinen Schnack zwischen Tür und Angel, bevor man in die Bank geht, geht man beispielsweise an einem Security Menschen vorbei, ich hab ihn direkt geragt ob es möglich ist mein Geld hier zu wechseln und ehe ich mich versah redeten wir besser als in jedem Friseur Salon in Deutschland.
Dasselbe bei der Dame (Ihr Name war Patzy, erinnerte mich sehr an „putzig“ und ist ein sehr passendes Wort für sie) an dem Schalter, ich erzählte ihr das ich gerne mein Geld wechseln möchte und plötzlich waren wir mitten in einer Konversation über Südafrika, meine ersten Erlebnisse, den deutschen Winter und ihren Aufenthalt vor 20 Jahren irgendwo in Kanada.
So läuft es hier, ich war aber dann ganz froh als sie mein Geld nahm, mir einen Din A4 zettel gab und ich am nächsten Schalter einfach nur mein Geld bekam ohne mich irgendwie durch die Panzerglasscheibe unterhalten zu müssen.
Ich hatte alles erledigt soweit hatte aber noch massig Zeit, ich wollte noch nicht nach Hause um dort allein zu sein und auf Caroline und Henrike zu warten, also ging ich ein bisschen durch die Mall weniger um zu shoppen als viel mehr einen Eindruck von den Geschäften zu bekommen.
Hängen geblieben bin ich bei Mr. Price, wie der Name vermuten lässt ist es hier mehr als günstig.
Mit dem ständigen Vergleich vor Augen das R100 ca. 7Euro sind war es für mich kaum greifbar teilweise Röcke für R49.40 zu sehen…
Die Auswahl der Kleidung ist natürlich nicht von besonders hoher Qualität aber mit H&M in Deutschland zu vergleichen, super schrille Farben, ziemlich kurze Tops, ganz ganz viel Plastik Kunst -Leder, gewöhnungsbedürftig aber zwischendurch findet man doch 2-3 ganz hübsche Teile, ich habe einen Hosenanzug in Kurz und eine lange ganz hübsche, blaue Harem Hose gefunden die ich ganz schön fand dann aber doch da gelassen habe, ich kann mir die Sachen immer noch holen wenn meine eigene Kredit Karte da ist.
In einem weiteren Laden hätte ich mich leer kaufen können unglaublich viele schöne Klamotten, in erdigen Farben mit fühlbar besserer Qualität aber auch einem deutlich höheren Preis, ein Kleid dass ich nicht vergessen werde für ca. R500 (für deutsche Verhältnisse ein ganz normaler Preis…aber ich bin ja nicht hier um mein Geld für Klamotten auszugeben, leider).
Ich bin also recht schnell wieder raus aus diesem super Laden ehe ich mich in noch mehr klamotten, Tücher und Sonnenbrillen vergucken konnte und machte Stop bei „Pick &Pay“ einem sehr billigen Supermarkt, um mir aus Frust gleich 2 Tafeln Schokolade und Kekse zu kaufen (Es lebe meine Diät).
Danach bin ich zurück nach Hause gegangen (ganz ohne mich zu verlaufen und habe nur 45 Minuten Fußweg gebraucht, zugegeben ich hab mir auch Zeit gelassen).
Und nun, in diesem Moment sitze ich auf meinem Bett, knabber Knäcke Brot, trinke Tee und warte darauf das Caroline und Henrike zurück kommen um mir zusagen dass ich morgen mit kann und wir nun noch zusammen einkaufen gehen um Snacks und Frühstück zu besorgen.
Das wäre so schön.
Es ist 17:55Uhr, ich finde es ist nun Zeit für die beiden.
1.441 Wörter bis jetzt in meiner Schulzeit habe ich sowas nur mit viel Mühe geschafft!
Es ist jetzt ziemlich genau ein Jahr her, als ich meine Mama weinend angerufen habe um ihr zu erzählen dass ich mein Abi geschafft habe…
Eine hoch emotionale Zeit für mich und jetzt ein Jahr später bin ich irgendwo mitten in Südafrika, wieder eine hoch emotionale Zeit für mich.
Und auch wenn hier nicht alles so läuft wie ich es gern hätte, oder wie ich es mir vorgestellt habe, glaube ich habe ich schon in diesen ersten 3 Wochen eine ganze Menge gelernt.
Mein Englisch ist zwar immer noch nicht gut, aber weil ich keine andere Möglichkeit habe spreche ich mittlerweile meistens einfach drauf los, ohne alles 6x zu überdenken und dann lieber doch die Klappe zu halten aus Angst es könnte falsch sein.
Ich habe es im Flughafen allein geschafft, auch davor hatte ich Angst, ich habe seitdem mit kaum jemandem hier mehr als ein, zwei deutsche Worte gewechselt. Ich bin in ein Projekt (mehr oder weniger) involviert das mir ermöglich nicht nur die afrikanische sondern auch die indische Kultur besser kennen zu lernen und den Kindern vielleicht nicht helfen zu können, aber sie in irgendeiner Form zu unterstützen, bzw. diejenigen zu unterstützen die ihnen tatsächlich helfen können. Ich werde demnächst auch mit einer Dame aus der Health Academy sprechen, sie kümmert sich um Waisenkinder die an HIV erkrankt sind, sie macht Hausbesuche etc. und hat jede Menge Papierkram, ich glaube nicht dass ich sie auf den Hausbesuchen begleiten kann, sie kann Zulu das ist ihre Muttersprache und vielen fällt es ohnehin schon schwer über ihre Probleme zu reden, noch viel schlimmer würde es aber wahrscheinlich werden, wenn eine weiße mit dabei ist.
Aber ihr bei Papierkram zu helfen und zu wissen dass es im Endeffekt für die Kinder ist finde ich gar nicht so ganz schlecht. Außerdem wirkt sie sehr sympathisch und hat ein unglaubliches Lächeln und Gugu ist recht gut mit ihr befreundet und hat ein gutes Wort für mich eingelegt, ich glaube sie hat sogar gesagt dass ich ein cleveres Mädchen bin (wieder einmal bin ich stolz, nicht dass das überhandnimmt…), mal sehen, das wäre aber auch ganz interessant denke ich.
Heute Morgen habe ich eine verspätete Gratulation von Marcus bekommen, er möchte noch mal mit mir zum Thailänder gehen, weil es ja immerhin mein 21. Ist. Da bin ich sehr zufrieden mit denn dieses Thai Restaurant ist wirklich gut, außerdem war dort die süße Kellnerin, der ich immer noch eine Nachricht schreiben wollte, ob sie Lust hat mit mir einen Kaffee trinken zu gehen (so lernt man Leute am besten kennen oder!?). Jedenfalls schrieb er weiter dass er gerne meine Interessen, meine Ziele und neue Ideen haben möchte damit wir gemeinsam mit Stefan &Clyde überlegen können was wir bzw. was ICH in den nächsten 6 Monaten machen werde.
Ich habe mich sehr gefreut über seine Nachricht und versucht in meinem schönsten und höfflichsten Englisch zu antworten.
Ob darauf schon etwas zurück kam weiß ich leider nicht (diese Internetabhängigen Menschen sind eine Schande).
Nun fällt mir definitiv nichts mehr ein was ich noch schreiben könnte um mir die Zeit zu vertreiben.
18:15Uhr und mittlerweile 1.974 Wörter.
Weiter geht’s am Montag, dann wird dieser Post hoch geladen und der nächste geschrieben und ihr erfahrt ob ich mit nach Swasiland durfte oder mit was ich mir stattdessen mein Wochenende versüßt habe.
Es grüßt recht herzlich, eine dauer aufgeregte, kein bisschen Tourimäßige, etwas müde Amelie.
Euch allen ein zauberhaftes verlängertes Wochenende!
xoxo


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